S.O.F.A. architekten mit
feld72
www.feld72.at
Situation:
Die Passionsspiele von Erl sind seit Jahrhunderten zentraler Bestandteil des dörflichen
Lebens und prägen entscheidend das Wahrnehmungsbild des Ortes weit über seine Grenzen hinaus.
Das Wahrzeichen dafür ist das bestehende Sommerfestspielhaus mit seiner expressiven
Architektursprache aus den 50er Jahren, als Bindeglied zwischen Berg und Ebene. Der Wunsch
dieses durch ein Winterfestspielhaus zu ergänzen und dadurch einen ganzjährigen Betrieb des
Hauses zu ermöglichen, wirft die Frage nach einer angemessenen baulichen Antwort auf.
Manifestiert sich das neue Haus als zum Bestehenden in Konkurrenz stehend, oder nimmt es sich in
seiner Wahrnehmung zurück? Bleibt die Silhouette des Winterfestspielhauses weiterhin alleiniges
Wahrzeichen von Erloder schiebt sich das Neue Haus
auch architektonisch stärker in den Vordergrund?
Unabhängig davon, sind Vorhaben dieser Dimension für ein Dorf wie Erl stets mit langwierigeren Identifikationsprozessen
verbunden. Das Neue wird in einen solchen Kontext leichter integriert, wenn es das Alte nicht nur respektiert und
ergänzt, sondern einen Mehrwert für die Bevölkerung im Dorf und die gesamte Region bringt.
Idee/ Zielsetzung:
Das neue Gebäude entwickelt sich aus dem Dialog mit dem Ort, dem bestehenden Sommerfestspielhaus und der soziokulturellen
Struktur Erls. Es ist als solches im Grunde kaum wahrnehmbar da es sich dem Bestand respektvoll unterordnet und sanft
an den Berg schmiegt - sich förmlich in diesen hineingräbt.
Wir interpretieren das Projekt nicht so sehr als in sich geschlossenes Gebäude, sondern vielmehr als einen sich nach
außen erweiternden öffentlichen,
vielfältig nutzbaren Raum. Als vorrangig wahrnehmbares Element soll die teilweise
begrünte und in Bereichen begehbare Dachlandschaft zu Aktivitäten auch außerhalb des Festspielbetriebes einladen. Der
Rücken des Berges, die im Grunde nicht wahrgenommene Fassade des Winterfestspielhauses kann als begehbare Tribüne,
Kulisse, Aussichtsplattformen, „Spielwiese“ für Kinder und Erwachsene genutzt werden – so wird ein Bogen gespannt von
der Hochkultur im Inneren, zur Alltagskultur im Äußeren des Hauses.
Im Inneren des „Berges“, unter der „Tarnkappe“ um das Herz des Gebäudes, den Zuschauerraum mit Bühnenturm herum entwickelt
sich das Winterfestspielhaus als eine abwechslungsreiche, sich öffnende und wieder verengende Landschaft.
Blickbeziehungen zwischen den verschiedenen Ebenen, bis hinunter in den Künstlergarderobenbereich unterstreichen den
offenen, fließenden Charakter der einzelnen Raumfolgen.