Entwurfsbeschreibung:
Die Gestalt des neuen Gewächshauses ergibt sich als spezifische Reaktion auf die örtlichen Gegebenheiten und den funktionalen Anforderungen von Seiten des Auslobers. Im Süden übernimmt das Gebäude die weiche Linienführung des Seeufers und der begleitenden Wegführung, im Norden bildet der bogenförmige, geschlossene Rücken des Gewächshauses einen logischen Abschluss zum Straßenraum und den dahinter liegenden Häusern.
Zudem kann die scheinbar freie, organische Form des Gebäudes als Architektur gewordene Interpretation des Inhalts gelesen werden.
Ähnliches gilt auch für die höhenmäßige Entwicklung des Gewächshauses. Die funktionalen Vorgaben mit den geforderten lichten Raumhöhen, sowie die Forderung für die dahinterliegenden Nachbargebäude die Einschränkungen was Besonnung und Aussicht betrifft möglichst gering zu halten, waren die entscheidenden Faktoren für die Formfindung.
Das äußere Erscheinungsbild des Gewächshauses wird bestimmt durch die beiden transparenten „Glaskuppeln“ mit den zwei durch einen großzügigen Windfang und einer Schleuse getrennten Klimabereichen. Die Funktionen wie Insektarium , Büro und Räume für die Technik, welche durch eine wesentlich geringere und konstante Raumhöhe definiert sind, werden seitlich an das eigentliche Gewächshaus gedockt. Sie sind aber von außen nicht als Volumen lesbar, da sie in der Fortführung des Erdwalls verschwinden. Das Insektarium sowie der Arbeitsraum werden großzügig über Lichtkuppeln von oben belichtet und belüftet. Sollte zusätzlich natürliches Licht benötigt werden könnte die Front zur Straße hin punktuell geöffnet werden.
Die beiden Klimabereiche des Gewächshauses werden zur Gänze stützenfrei und frei von Einbauten gehalten. Dies gewährleistet maximale Flexibilität, sowohl was die Bepflanzung als auch die Wegführung betrifft.
Ein zentraler Punkt bei der Konzeptionierung des neuen Gewächshauses ist die Lenkung der Besucherströme, sowie deren Entkoppelung.
Um einen Besucherstau sowohl im Inneren, als auch vor betreten des Gebäudes zu vermeiden bzw. zu kompensieren wird an den neuralgischen Punkten zusätzlich Raum geschaffen bzw. werden eindeutige Richtungen vorgegeben. In diesem Sinn kann die Aufweitung des Weges vor dem Besuchereingang zu einem kleinen Vorplatz, oder die Ausbildung der Schleuse zwischen den beiden Klimabereichen als „gerichtete Röhre“ verstanden werden.
Die zwei Klimazonen: Warmhaus und Kalthaus sind in der Großform zwar spürbar – eine klare, visuell wahrnehmbare Zäsur haben wir jedoch bewusst vermieden. Die Trennung im Inneren erfolgt durch transparente, hochreißfeste ETFE-Folien was den Eindruck der fließenden Raumkom-position zusätzlich verstärkt.
Renderings: Bastian Kissler